Das Nordkap – Nur ein Fels im Nebel oder doch mehr?

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Bereit? Dann lehne dich zurück. Denn jetzt startet unsere Etappe zum Nordkap.

Norwegen

Ab sofort ist es noch leerer. Keine Läden, keine Campingplätze. Nur die Straße voraus. Norwegen ist direkt anders. Kurvigere Straßen meistens mit steilen Klippen rechts und Felsen links. Enge Kurven, enge Straßen und diese meistens ohne Mittelstrich. Also Achtung bei Gegenverkehr. Ich kam von der finnischen Grenze und von dort aus dauerte es ewig bis Zivilisation kam. Die Ersten die ich getroffen habe war eine Schafherde, mitten auf der Straße hinter einer Kurve, hoch oben auf einem Berg.

Man kann mit dem Auto schlecht anhalten, oft gibt es keine Möglichkeit. Als ich nicht mehr konnte, habe ich an einer Parkbucht gehalten und dort die Nacht verbracht. Irgendwo im Nirgendwo. Direkt an der Straße. Aber viel Verkehr ist ja sowieso nicht. Als ich im Internet nach einem Platz für die Nacht gesucht hatte, hatte ich keinen gefunden. Jetzt weiß ich auch warum: Es gibt keine. Man steht einfach am Straßenrand.

Eine Rentierherde direkt dort wo ich übernachtet habe.

Keine weite Aussicht. Ich sehe nur die Kurve hinter und die Kurve vor mir. Man sieht nie wie die Straße weiter geht. Oft fährt man in Kurven ohne zu wissen, was einen dahinter erwartet. Ob einem jemand entgegenkommt. Die Norweger sind aber gar nicht zimperlich, wenn es darum geht aneinander vorbei zu fahren.

Die norwegischen Straßen sind meist schlecht. Man fährt die ganze Zeit über Schlaglöcher. Diese werden aber wohl auch ab und zu repariert, denn ich hatte auch mitten im nirgendwo erstmal eine Baustelle mit roter Ampel. Wie ich schon in Finnland gelernt hatte, kann es eine ganze Weile dauern bis es da grün wird. Als es endlich soweit war, sollte ich neben der Straße vorbei fahren und an einer Engstelle an der es runter ging. Zum Glück hat das geklappt, ich dachte schon ich würde stecken bleiben.

Straße Baustelle Norwegen
Das Ende der Straße.

Routenplanung

Eigentlich wollte ich auch nach Mehamn. Nachdem ich aber die norwegische Straßen kennen gelernt und fest gestellt hatte, dass man die Dauer die das Navi angibt dort immer nochmal verdoppeln muss (aufgrund der Straßensituation), ich echt fertig bin und es während der Fahrt die ganze Zeit holpert (auch aufgrund der Straßen), beschließe ich direkt ans Nordkap zu fahren und also heute noch dort anzukommen. 6 Stunden Fahrt! Aber was soll man hier sonst machen? Ja es ist schön, aber man kann sich ohne Auto kaum in der Natur bewegen. Das ist viel zu gefährlich und außer Natur und Straße ist hier nichts mehr.

Mehamn wäre ein Umweg, denn ich würde stundenlang hochfahren und später dieselbe Strecke wieder zurück und dann die Strecke die ich jetzt sowieso fahre. Es gibt keine andere Straße und ich weiß auch keine Möglichkeit zum Parken. Am Nordkap kann man über Nacht stehen. Also ist es beschlossen:

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Die Weg zum Nordkap

Die Straßen sind einfach eng. Man denkt immer oh je und dann gibt es noch verrücktere Straßen. Fast alle sind löchrig und für Gegenverkehr reicht es immer gerade so, vor allem wenn man auf LKWs trifft.

Nichtsdestotrotz ist die einzige Straße die zum Nordkap führt mit einem 7 Kilometer langen Unterwassertunnel landschaftlich einzigartig . Der Tunnel hat eine Steigung von 9% und ist dunkel mit Steinwänden. In der Tat merkt man die 212 Metern, die man unter Wasser ist, gar nicht.

Straße ans Nordkap
Der Weg zum Nordkap.

Es gibt leider kaum Möglichkeiten um anzuhalten und Bilder zu machen. Es ist kalt und sehr windig.

Ich war im September dort, die Saison ging gerade zu Ende. Dennoch war mehr als genug Verkehr (und Gegenverkehr), gemessen an der Größe der Autos und der Schmalheit der Straße. Denn es sind fast ausschließlich Wohnmobile auf der Straße unterwegs oder Busse. Die Straße zum Nordkap ist mitten in die Felsen gebaut und schlängelt sich um kaum einsehbare Kurven. Es fängt an alles gleich auszusehen und Häuser gibt es auch keine mehr. Man fühlt sich wirklich wie am Ende der Welt.

Straße Norwegen
Straße in Norwegen.

Außerdem fragt man sich auch wie lange das gehen kann ohne Tankstellen. Vorher sollte man unbedingt volltanken, eigentlich am Besten jedesmal bei einer Möglichkeit in Norwegen. Auf dem Weg ist nichts. Man kann nur der Straße folgen. Trotzdem fragt man sich, ob da noch was kommt. Oder fährt man im Kreis? Immer noch höher und höher, noch eine Kurve und hinter dem Felsen Überraschung die nächste Kurve. Dann wieder ein Tunnel. Und dann enden die Felsen und es kommt ein Straßenschild. Nach Honningsvåg gehts rechts oder ans Nordkap nach links.

Ich fahre, fahre und fahre. Bin am Arsch der Welt und es geht immer noch weiter, weiter und immer höher. Irgendwann muss doch Schluss sein.

Straße ans Nordkap
Auf dem Weg zum Nordkap.

Es war nicht viel los, keine Caravanen wie bestimmt im Sommer. In Norwegen vorwärts zu kommen dauert ewig. Doch irgendwann, keine Ahnung wie, sehe ich eine Rentierherde und die Straße endet. Mein Camper und ich stehe vor einem kleinen Haus mit einer Schranke. Ich habe es endlich geschafft. Angekommen!

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Parken am Nordkap

Ich hatte im Internet gelesen, dass man hier am Nordkap mit dem Camper übernachten kann und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Nicht viele können behaupten am nödlichsten Punkt Europas eine Nacht verbracht zu haben. Das macht es nochmal besonderer. Der Mann am Eingang antwortete daraufhin: „Kein Problem. Aber wenn das Wetter noch schlechter wird, dann musst du wieder runterfahren, weil Steine fliegen können“.

Wie?… Endlich bin ich hier und jetzt so was? „Bei starken Wind ist es auf dem Felsen zu gefährlich.“ Okay, aber ich dachte nur ich fahre heute keinen Meter mehr. Hinter mir lagen schon sechs Stunden mit Regen, Schnee und engen Passagen.

Auf dem Parkplatz standen nur ein paar Womos, da habe ich mich einfach dazugestellt und bin direkt ausgestiegen. Okay, hier ist es echt verdammt windig. Die Hecktüren habe ich kaum wieder geschlossen bekommen. Alles flog aus dem Auto. Schließlich bin ich dann nur noch vorne eingestiegen und nach hinten durchgekrabbeln. Gut, dass ich jetzt doch keine Trennwand habe.

Der Globus

Nachdem ich es geschafft hatte alle Türen wieder zu schließen, bin ich direkt zum Globus gegangen.

Nordkaphalle
Ankommen am Nordkap.

Es war niemand dort. Keine Touristenmassen. Ich war komplett alleine.

Nordkap
Der Globus

Der 4-5 Meter hohe Globus auf einem Plateau. Komplett gehüllt in Nebel. Die Aussicht? Ich würde sagen keine.

Nordkap
Der nördlichste Punkt Europas.

Dahinter liegt natürlich das Meer, aber man sieht nicht weit. Der Horizont verschwindet sehr nah im Nebel. Man könnte sich eher vorstellen, das man die Erdkrümmung stark sieht. Als wäre das hier tatsächlich das Ende der Welt und hinter dem Meer würde es wieder runter gehen. Als würde man oben auf der Erdspitze stehen. Ganz oben. Ich weiß es ist nicht so, aber vielleicht wurde dieser Ort deswegen auch als nördlichster Punkt sozusagen „ausgewählt“. Weil du den Rest der Welt hier vergessen kannst. Denn hier gibt es auch sonst nichts weiter.

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Nordkap
Das Nordkap

Die Nordkaphalle

Bevor die Halle schloss und weil es mega kalt war, habe ich mich dort noch eher abgetaut als aufgewärmt.

In der Halle gibt es einen Schalter zum Diplom kaufen, der zu war. Aber es ist sowieso nur ein vorgedruckter Zettel mit Namen für 175 NOK. Das muss jeder selber entscheiden, aber ich dachte mir ein Selfie ist besser. Ansonsten gibt es noch eine Bar um das Nordkap zu begießen, aber die war auch zu.

Dann gibt es noch ein Schild, dass sagt wann täglich die Sonne untergeht und einen Briefkasten. Hier am Nordkap bekommt die Post den exklusiven Nordkappoststempel.

Im Untergeschoss der Halle gibt es ein Panoramakino. Dort läuft mehrmals die Stunde ein Film über die vier Jahreszeiten am Nordkap. Eine Mini-mini-mini Kapelle oder eher Trauungsniesche, eine Ausstellung heimische Vögel mit gewöhnungsbedürftigen Geräuschen, Schaukästen mit Modellfiguren, ein thailändisches Museum und ein Lichterfilm, der speziell ist. Generell ist hier wenig typisch norwegisches. An sich ist die Halle gut zum aufwärmen, drinnen sitzen an der großen Glasfront und herausschauen auf das Nordkap mit seinem Globus.

Nordkaphalle
Ich saß alleine im Kino.

Souvenirshop und Fika

Ich streiche durch den Souvenirshop mit zwei anderen Besuchern. Der Souvenirshop ist sehr schön und hat eine große Auswahl. Allerdings teuer.

Im Cafe kostet ein Cappuccino, eine heiße Schokolade oder eine Nordkapwaffel mit Schlagsahne aus der Dose (woran das einzige besondere und nordische der Ort ist) alles ungefähr 5€. 500NOK scheinen der Standardpreis in Norwegen zu sein.

In Schweden und Finnland war die Preise vergleichsweise ok.

Nordpol
Richtung Norden.

Erwartungen

Viele große Erwartungen sollte man an den Ort lieber nicht haben. Das Wetter ist durch die Lage natürlich meistens schlecht. Hier ist vielleicht wirklich der Weg das Ziel. Den das Nordkap ist im Grunde nur ein Fels im Nebel. Aber du weißt, wo du gerade stehst. Nur kannst du eben nicht besonders viel sehen. Es ist dein Glaube daran. Dir bedeutet es etwas. Aber dem Ort ist es egal. Da kommen jedes Jahr mehrere tausend Besucher. Es spielt keine Rolle. Doch es ist dein Gedanke: “ Ich habe es hier her geschafft.“ I made it.

Nordkap
Fels mit Globus

Ein mehrere tausend Kilometer langer Weg, das Nordkap das große Ziel und ich habe es geschafft. Vielleicht ganz alleine. Ich habe nicht aufgegeben und jetzt stehe ich hier.

Der Blick von oben ist nicht atemberaubender, als schon auf dem Weg hier hin. Viele sagen der Weg ist sogar schöner. Denn Nordpol wirst du nicht sehen, aber aus irgendeinem Grund weißt du genau, dass er da ist. Und auch wenn es noch mehrere Kilometer sind, fühlt es sich irgendwie nah an. So, als würde hier eine andere Welt anfangen. Es liegt etwas besonderes in der Luft.

Zum Nordkap fliegen kein Flugzeug für ein Wochenende, aber Leute laufen mehrere Monate von Zuhause dort hin. Fahren mit einem Gabelstapler, mit dem Motorrad, einem Traktor, mit dem Oldtimer, … Das Nordkap ist nur das große, greifbare Ziel. Mehr ist hier nicht. Ein kleines Plateau auf einem Felsen.

Aber so touristisch das ganze ist, ist es das auch wieder nicht. Klar, es gibt einiges touristisches in der Nordkaphalle. Aber hier draußen gerade wenn man alleine ist und es nicht überfüllt ist wie auf den Bildern die man kennt, wo alles versuchen ein Selfie zu bekommen ohne andere Touristen im Hintergrund (Was absolut kein Problem war:)), so ist der Globus doch nur ein Zeichen. Man zeigt jemandem das Bild und jeder weiß aha das ist am Nordkap. Aber darum geht es hier oben nicht.

Faszination Nordkap

Nordkap
Für einen Moment war ich die nördlichste Person Europas.

Ein paar Leute habe ich dann doch noch getroffen. Alle waren begeistert dort zu sein und jeder hat gestrahlt und gespürt, dass es etwas besonderes ist. Aber das liegt nicht an der Kugel oder dem kleinen Platz auf dem Felsen. Es ist die Reise, das geschafft haben, sich das Ziel gesetzt zu haben und angekommen zu sein.

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Ja es ist kalt, es regnet, es hat Nebel, der Wind ist mega stark, womöglich fliegen Steine (wir wissen es noch nicht) und in der Halle ist auch nicht viel los. Aber es ist geil hier draußen zu sein. Dieses Gefühl zu Wissen, wo auf der Landkarte man gerade steht. Davon hat man lange geträumt. Das war das große Ziel meiner Reise. Und dort steht man nun. Mitten im nirgendwo. Alleine.

So ist das eben auch mit Bildern, denn wenn es dort mehr geben würde, würden nicht immer alle den Globus fotografieren, sondern auch andere Motive. Aber wenn auf den Bildern immer nur ein Motiv ist, dann ist dumherum wohl nicht so viel los.

Übernachtung

Ich dachte schon ich würde am Ende komplett alleine hier oben übernachten. Das Wetter wurde immer windiger und dunkler. Aber schließlich waren es 4 Wohnmobile und arschkalt. Es gab keinen Schutz vor dem Wind. Der Transporte ist die ganze Zeit hin und her geschwankt. Ich dachte jeden Moment würde irgendetwas wegfliegen.

Aber ich musste auf jeden Fall nochmal raus im Dunkel. 🙂

Schöne Bilder und ein schöner Ort. Aber das 24 h Ticket, dass man hier bekommt, hat auch seinen Sinn. Denn keiner bleibt länger. Die meisten fahren wieder zurück ins warme Hotel.

Die Nacht war stürmisch und eiskalt, aber ich habe dort übernachtet. Am Nordkap. Nach 5000 km bin ich am Wendepunkt meiner Reise angelangt. Nach 5 1/2 Wochen.

Fazit: War es das wert?

Ja. Klar! Das Nordkap ist vielleicht nicht gerade das, was man erwartet. Aber das Gefühl dort zu sein ist einmalig, beschwingend, lächelnd, ruhig und unglaublich. Es herrscht eine gewisse Stille, Nachdenklichkeit und es ist auf jeden Fall ein besonderer Ort der in keinem Reisealbum fehlen darf. Was man auf der Fahrt sieht und erlebt bringt einen irgendwie zum Lächeln und macht einen stolz.

War es das wert deswegen so weit zu fahren? Naja, das muss jeder selber entscheiden. Wahrscheinlich ist es auch deswegen mehr ein einmaliges Ziel, als ein ich komme jedes Jahr wieder Gedanke.

Im Enddefekt ist es eine Klippe im Nebel mit ein bisschen Meer. Es ist nicht der atemberaubendste Ausblick, aber es ist auf jeden Fall geil dort zu stehen. Mehr oder weniger auf den Nordpol zu schauen (Hinter dem Nebel, vermutlich, fast sicher). Ein Gefühl von Freiheit.

Die nächste Stadt ist über 30 km entfernt, man steht mitten in der Natur, 307 Meter hoch umringt von guter Luft und vielleicht gehört die Kälte dort einfach dazu… Obwohl eine Heizung auch nicht schlecht gewesen wäre.

Am nächsten Tag bin ich dann den ganzen Weg wieder zurück gefahren (was sonst?) und bin nach Hammerfest gefahren. Mein Camper hatte nach dieser Etappe ein neues Dreckigkeitsniveau erreicht, welcher auch noch vereist war.

Auf der Rückfahrt sind mir 4 Busse entgegen gekommen. Für Busse ist es echt schwierig dort hochzufahren und dann auch noch mit Gegenverkehr. Also ich hätte keinen Zentimeter länger sein wollen. Aber das ist wohl Nord Norge. Der beinahe nördlichste Punkt Europas. An den echten Punkt kann man nur hinwandern.

Wie erging es dir in Norwegen? Träumst du noch vom Nordkap oder warst du schonmal dort? Was sind deine Erfahrungen auf norwegischen Straßen?

Inhaberin

Freut mich, dass du auf meinem Blog vorbei schaust. Ich habe mir 2019 einen Kastenwagen gekauft und ihn selber zu einem Camper ausgebaut. Mit ihm habe ich mich dann noch im selben Jahr auf meine erste große Reise begeben und es sollte nach Skandinavien gehen. Ich bin alleine 10.000 km bis zum Nordkap gefahren. Hier schreibe ich über den Selbstausbau, meine Erfahrungen auf Reisen und vieles mehr ...

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